Eigenschaften von Logarithmen

Lerne die grundlegenden Eigenschaften von Logarithmen: den Logarithmus von 1, den Logarithmus der Basis, die beiden Umkehreigenschaften und die Eindeutigkeit des Logarithmus.

Fortgeschritten25 MinLektion

Definition

Die grundlegenden Eigenschaften von Logarithmen folgen alle aus einer Tatsache: Ein Logarithmus ist ein Exponent. Für eine Basis b>0b > 0 mit b≠1b \neq 1 gilt:
log⁡bx=y  ⟺  by=x\log_b x = y \iff b^y = x
Die fünf Grundeigenschaften
  1. 1.Logarithmus von 1: log⁡b1=0\log_b 1 = 0, weil b0=1b^0 = 1
  2. 2.Logarithmus der Basis: log⁡bb=1\log_b b = 1, weil b1=bb^1 = b
  3. 3.Umkehreigenschaft (Logarithmus einer Potenz der Basis): log⁡b(bx)=x\log_b(b^x) = x für jede reelle Zahl xx
  4. 4.Umkehreigenschaft (Basis hoch Logarithmus): blog⁡bx=xb^{\log_b x} = x für jedes x>0x > 0
  5. 5.Eindeutigkeit des Logarithmus: Aus log⁡bM=log⁡bN\log_b M = \log_b N (mit M>0M > 0, N>0N > 0) folgt M=NM = N
Was nicht erlaubt ist: Das Argument (der Numerus) eines Logarithmus muss positiv sein. log⁡b0\log_b 0 und log⁡b(−5)\log_b(-5) sind nicht definiert, weil byb^y für jeden Exponenten yy positiv ist.
Die Eigenschaften 3 und 4 sagen, dass y=log⁡bxy = \log_b x und y=bxy = b^x Umkehrfunktionen voneinander sind: Die eine macht die andere rückgängig.
Überblick: die drei Regeln zum Verknüpfen von Logarithmen (jede hat ihre eigene Lektion)
RegelFormelLektion
Produktregellog⁡b(MN)=log⁡bM+log⁡bN\log_b(MN) = \log_b M + \log_b NProduktregel für Logarithmen
Quotientenregellog⁡bMN=log⁡bM−log⁡bN\log_b \frac{M}{N} = \log_b M - \log_b NQuotientenregel für Logarithmen
Potenzregellog⁡b(Mp)=plog⁡bM\log_b(M^p) = p \log_b MPotenzregel für Logarithmen
In dieser Lektion üben wir die fünf Grundeigenschaften. Die drei Regeln aus der Tabelle werden Schritt für Schritt in ihren eigenen Lektionen erklärt.

Probier es gleich aus

Wie groß ist log⁡61\log_6 1?

Lösungsbeispiele

Berechne log⁡91+log⁡99\log_9 1 + \log_9 9.

1

Berechne log⁡91\log_9 1

Welche Potenz von 99 ergibt 11? 90=19^0 = 1 → log⁡91=0\log_9 1 = 0

2

Berechne log⁡99\log_9 9

Welche Potenz von 99 ergibt 99? 91=99^1 = 9 → log⁡99=1\log_9 9 = 1

3

Addiere die Ergebnisse

0+10 + 1

Häufige Fehler

log⁡b1=1\log_b 1 = 1 oder log⁡b1=b\log_b 1 = b schreiben

Warum es falsch ist: Der Logarithmus ist der Exponent, nicht das Ergebnis. Die Frage lautet: Welche Potenz von bb ergibt 11?

Richtig: b0=1b^0 = 1, also gilt log⁡b1=0\log_b 1 = 0 für jede erlaubte Basis. Zum Beispiel log⁡71=0\log_7 1 = 0.

Glauben, dass log⁡b0=0\log_b 0 = 0 ist oder dass der Logarithmus einer negativen Zahl negativ ist

Warum es falsch ist: Eine positive Basis hoch irgendeinen Exponenten ist immer positiv, also ergibt kein Exponent 00 oder eine negative Zahl.

Richtig: log⁡b0\log_b 0 und log⁡b(−4)\log_b(-4) sind nicht definiert. Das Argument muss größer als 00 sein, der Wert eines Logarithmus darf aber negativ sein: log⁡218=−3\log_2 \frac{1}{8} = -3.

Potenz und Logarithmus mit verschiedenen Basen kürzen: 2log⁡39=92^{\log_3 9} = 9

Warum es falsch ist: blog⁡bx=xb^{\log_b x} = x gilt nur, wenn die Basis der Potenz und die Basis des Logarithmus dieselbe Zahl sind.

Richtig: Hier sind die Basen verschieden: log⁡39=2\log_3 9 = 2, also 2log⁡39=22=42^{\log_3 9} = 2^2 = 4, nicht 99.

Die Eindeutigkeit anwenden und die Argumente nicht prüfen

Warum es falsch ist: Beim Gleichsetzen der Argumente kann ein Wert entstehen, der ein Argument null oder negativ macht. Dort existiert der ursprüngliche Logarithmus nicht.

Richtig: Setze jeden Kandidaten immer in alle Argumente ein. Behalte ihn nur, wenn alle Argumente positiv sind.

Interaktive Visualisierung

Funktionsgraph

024681012-4-2024xy(1 | 0)(2 | 1)x = 0

Tippe auf den Graphen oder fahre mit der Maus darüber, um Werte abzulesen.

y = log_b(x)y = 1Asymptote

Wertetabelle

x0,5124810
log_b(x)-101233,32193
1111111

Interaktiver Sandkasten

Ausdrucksrechner

Probiere diese:

Verlauf

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Übungsaufgaben

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Aufgabe 1 von 18
Einfach

Wie groß ist log⁡61\log_6 1?

Warum es wichtig ist

Die Grundeigenschaften sind die Werkzeuge, die du jedes Mal brauchst, wenn du mit Logarithmen arbeitest:
  • Berechnen ohne Taschenrechner: log⁡264=log⁡2(26)=6\log_2 64 = \log_2(2^6) = 6 in einer Zeile
  • Gleichungen lösen: Die Umkehreigenschaften entfernen einen Logarithmus oder eine Potenz, so wird aus log⁡3x=4\log_3 x = 4 einfach x=34=81x = 3^4 = 81
  • Vergleichen: Die Eindeutigkeit macht aus log⁡5(2x+1)=log⁡511\log_5(2x + 1) = \log_5 11 die einfache Gleichung 2x+1=112x + 1 = 11
  • Skalen in den Naturwissenschaften: Dezibel, pH-Wert und Richterskala benutzen alle log⁡\log. Ein Ton an der Hörschwelle hat 10log⁡1=010 \log 1 = 0 Dezibel
  • Fehler vermeiden: Wer weiß, dass log⁡b0\log_b 0 und Logarithmen negativer Zahlen nicht definiert sind, erkennt, welche Lösungen wegfallen
Die Produkt-, Quotienten- und Potenzregel (und die Basiswechselformel) bauen alle auf diesen fünf Eigenschaften auf.

Anwendungen im echten Leben

Schallpegel in Dezibel

Die Lautstärke eines Geräuschs ist $L = 10 \log \frac{I}{I_0}$ Dezibel, wobei $I_0$ das leiseste Geräusch ist, das ein Mensch hören kann. Mit den Grundeigenschaften geht die Rechnung schnell.

Beispiel:

An der Hörschwelle ist I=I0I = I_0, also L=10log⁡1=10⋅0=0L = 10 \log 1 = 10 \cdot 0 = 0 Dezibel.

1Probiere es selbst

Ein Rockkonzert hat die Intensität I=1011⋅I0I = 10^{11} \cdot I_0, also ist II0=1011\frac{I}{I_0} = 10^{11}.

Wie hoch ist der Schallpegel des Konzerts in Dezibel?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Berechne L=10log⁡(1011)L = 10 \log(10^{11}):

Säuregehalt und pH-Wert

In der Chemie misst man den Säuregehalt mit $\text{pH} = -\log[H^+]$, wobei $[H^+]$ die Konzentration der Wasserstoffionen in Mol pro Liter ist. Die Umkehreigenschaft macht aus einem pH-Wert wieder eine Konzentration.

Beispiel:

Reines Wasser hat [H+]=10−7[H^+] = 10^{-7}, also pH=−log⁡(10−7)=−(−7)=7\text{pH} = -\log(10^{-7}) = -(-7) = 7.

2Probiere es selbst

Zitronensaft hat den pH-Wert 22, also −log⁡[H+]=2-\log[H^+] = 2 und log⁡[H+]=−2\log[H^+] = -2.

Wie groß ist die Wasserstoffionen-Konzentration [H+][H^+] von Zitronensaft?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Nutze 10log⁡x=x10^{\log x} = x und berechne [H+]=10−2[H^+] = 10^{-2}:

Runden in einem K.-o.-Turnier

In einem K.-o.-Turnier scheidet in jeder Runde die Hälfte der Teilnehmer aus. Bei $2^n$ Teilnehmern gibt es $\log_2(2^n) = n$ Runden, bis ein Sieger übrig bleibt.

Beispiel:

Bei 16=2416 = 2^4 Mannschaften gibt es log⁡216=log⁡2(24)=4\log_2 16 = \log_2(2^4) = 4 Runden.

3Probiere es selbst

Ein Schachturnier an einer Schule beginnt mit 128128 Spielern. Jede Partie hat einen Sieger, der Verlierer scheidet aus.

Wie viele Runden braucht man, um den Turniersieger zu ermitteln?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Berechne log⁡2128\log_2 128:

Wichtige Erkenntnisse

  • 1log⁡b1=0\log_b 1 = 0, weil b0=1b^0 = 1, und log⁡bb=1\log_b b = 1, weil b1=bb^1 = b
  • 2Umkehreigenschaft: log⁡b(bx)=x\log_b(b^x) = x für jede reelle Zahl xx
  • 3Umkehreigenschaft: blog⁡bx=xb^{\log_b x} = x für jedes x>0x > 0, aber nur, wenn beide Basen gleich sind
  • 4Eindeutigkeit: Aus log⁡bM=log⁡bN\log_b M = \log_b N folgt M=NM = N; prüfe immer, ob die Argumente positiv sind
  • 5log⁡b0\log_b 0 und der Logarithmus einer negativen Zahl sind nicht definiert, der Wert eines Logarithmus darf aber negativ sein
  • 6Produkt-, Quotienten- und Potenzregel bauen auf diesen Eigenschaften auf und haben eigene Lektionen

Häufig gestellte Fragen

Jede erlaubte Basis hoch 00 ergibt 11: 20=12^0 = 1, 100=110^0 = 1, e0=1e^0 = 1. Der Logarithmus fragt nach diesem Exponenten, also ist die Antwort immer 00.
Jede erlaubte Basis hoch 00 ergibt 11: 20=12^0 = 1, 100=110^0 = 1, e0=1e^0 = 1. Der Logarithmus fragt nach diesem Exponenten, also ist die Antwort immer 00.
Ja. Nur das Argument muss positiv sein. Zum Beispiel ist log⁡100,01=−2\log_{10} 0{,}01 = -2, weil 10−2=0,0110^{-2} = 0{,}01. Das Argument 0,010{,}01 ist positiv, der Wert −2-2 ist negativ.
In log⁡b(bx)\log_b(b^x) ist das Argument bxb^x immer positiv, also ist jedes reelle xx erlaubt. In blog⁡bxb^{\log_b x} muss zuerst log⁡bx\log_b x existieren, und dafür braucht man x>0x > 0.
Jede hat ihre eigene Lektion: Produktregel für Logarithmen, Quotientenregel für Logarithmen und Potenzregel für Logarithmen. Sie benutzen die Eigenschaften aus dieser Lektion, deshalb lohnt es sich, diese zuerst sicher zu beherrschen.

Glossar

Logarithmus
Der Exponent yy mit by=xb^y = x, geschrieben log⁡bx=y\log_b x = y
Basis
Die Zahl bb in log⁡bx\log_b x; es muss b>0b > 0 und b≠1b \neq 1 gelten
Argument (Numerus)
Die Zahl xx in log⁡bx\log_b x; sie muss positiv sein
Umkehreigenschaften
log⁡b(bx)=x\log_b(b^x) = x und blog⁡bx=xb^{\log_b x} = x: Logarithmus und Exponentialfunktion mit derselben Basis heben sich gegenseitig auf
Eindeutigkeit des Logarithmus
Aus log⁡bM=log⁡bN\log_b M = \log_b N folgt M=NM = N: Verschiedene positive Argumente haben nie denselben Logarithmus
Umkehrfunktion
Eine Funktion, die eine andere rückgängig macht; y=log⁡bxy = \log_b x ist die Umkehrfunktion von y=bxy = b^x

Formelkarte

Logarithmus von 1

log⁡b1=0\log_b 1 = 0

Weil $b^0 = 1$

Logarithmus der Basis

log⁡bb=1\log_b b = 1

Weil $b^1 = b$

Umkehreigenschaft 1

log⁡b(bx)=x\log_b(b^x) = x

Für jede reelle Zahl $x$

Umkehreigenschaft 2

blog⁡bx=xb^{\log_b x} = x

Für jedes $x > 0$, gleiche Basis auf beiden Ebenen

Eindeutigkeit des Logarithmus

log⁡bM=log⁡bN⇒M=N\log_b M = \log_b N \Rightarrow M = N

Prüfe $M > 0$ und $N > 0$

Definitionsmenge

log⁡bx\log_b x existiert nur für x>0x > 0

$\log_b 0$ und Logarithmen negativer Zahlen sind nicht definiert

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