Potenzregel für Logarithmen

Lerne, wie die Potenzregel einen Exponenten vor den Logarithmus zieht, wie Wurzeln zu Bruchpotenzen werden und wie du Logarithmen mit allen drei Gesetzen zerlegst und zusammenfasst.

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Definition

Die Potenzregel für Logarithmen besagt, dass ein Exponent im Argument als Faktor vor den Logarithmus gezogen werden darf:
log⁡b(Mp)=p⋅log⁡bM\log_b(M^p) = p \cdot \log_b M
Sie gilt für jeden reellen Exponenten pp, solange M>0M > 0, b>0b > 0 und b≠1b \neq 1 ist.
Warum sie gilt: Setze x=log⁡bMx = \log_b M, also M=bxM = b^x. Dann ist Mp=(bx)p=bpxM^p = (b^x)^p = b^{px}, und der Logarithmus von bpxb^{px} ist einfach pxpx. Also ist log⁡b(Mp)=p⋅x=p⋅log⁡bM\log_b(M^p) = p \cdot x = p \cdot \log_b M.
Auch Wurzeln sind Potenzen. Wegen Mn=M1/n\sqrt[n]{M} = M^{1/n} gilt:
log⁡bMn=1nlog⁡bM\log_b \sqrt[n]{M} = \frac{1}{n} \log_b M
Beispiel: log⁡2(85)=5⋅log⁡28=5⋅3=15\log_2(8^5) = 5 \cdot \log_2 8 = 5 \cdot 3 = 15 und log⁡1000=12⋅3=32\log \sqrt{1000} = \frac{1}{2} \cdot 3 = \frac{3}{2}.
Zusammen mit der Produktregel (log⁡b(MN)=log⁡bM+log⁡bN\log_b(MN) = \log_b M + \log_b N) und der Quotientenregel (log⁡bMN=log⁡bM−log⁡bN\log_b \frac{M}{N} = \log_b M - \log_b N) kannst du mit der Potenzregel einen Logarithmus in viele einfache zerlegen oder mehrere Logarithmen zu einem zusammenfassen.

Probier es gleich aus

Welcher Term ist für x>0x > 0 gleich log⁡3(x5)\log_3(x^5)?

Lösungsbeispiele

Berechne log⁡2(85)\log_2(8^5) ohne Taschenrechner.

1

Ziehe den Exponenten nach vorne

log⁡2(85)=5⋅log⁡28\log_2(8^5) = 5 \cdot \log_2 8 → 5log⁡285 \log_2 8

2

Berechne den einfacheren Logarithmus

23=82^3 = 8, also ist log⁡28=3\log_2 8 = 3

3

Multipliziere

5⋅3=155 \cdot 3 = 15

Häufige Fehler

(log⁡M)p(\log M)^p wie plog⁡Mp \log M behandeln

Warum es falsch ist: Die Potenzregel gilt nur, wenn der Exponent am Argument steht, also im Logarithmus. Bei (log⁡M)p(\log M)^p wird der ganze Logarithmus potenziert. Beispiel: (log⁡100)3=23=8(\log 100)^3 = 2^3 = 8, aber 3log⁡100=63 \log 100 = 6.

Richtig: log⁡(Mp)=plog⁡M\log(M^p) = p \log M, während sich (log⁡M)p(\log M)^p mit der Potenzregel nicht vereinfachen lässt. Schau nach, wo der Exponent steht, bevor du ihn verschiebst.

Den Exponenten auf das ganze Argument anwenden: log⁡(3x2)=2log⁡(3x)\log(3x^2) = 2 \log(3x)

Warum es falsch ist: In 3x23x^2 wird nur xx quadriert, nicht die 33. Probe mit x=10x = 10: log⁡300≈2,48\log 300 \approx 2{,}48, aber 2log⁡30≈2,952 \log 30 \approx 2{,}95.

Richtig: Zerlege zuerst das Produkt: log⁡(3x2)=log⁡3+log⁡x2=log⁡3+2log⁡x\log(3x^2) = \log 3 + \log x^2 = \log 3 + 2 \log x.

Aus der Quadratwurzel einen Faktor 2 machen: log⁡x=2log⁡x\log \sqrt{x} = 2 \log x

Warum es falsch ist: Eine Quadratwurzel ist die Potenz 12\frac{1}{2}, nicht die Potenz 22. Der Wurzelexponent kommt in den Nenner.

Richtig: log⁡x=log⁡x1/2=12log⁡x\log \sqrt{x} = \log x^{1/2} = \frac{1}{2} \log x und log⁡x3=13log⁡x\log \sqrt[3]{x} = \frac{1}{3} \log x.

3log⁡x−log⁡y3 \log x - \log y zu log⁡3xy\log \frac{3x}{y} zusammenfassen

Warum es falsch ist: Ein Vorfaktor vor einem Logarithmus ist ein Exponent des Arguments, kein Faktor davon.

Richtig: Mache den Vorfaktor zuerst zum Exponenten: 3log⁡x=log⁡x33 \log x = \log x^3. Dann ist 3log⁡x−log⁡y=log⁡x3y3 \log x - \log y = \log \frac{x^3}{y}.

Interaktive Visualisierung

Funktionsgraph

-10-50510-4-2024xyx = 0

Tippe auf den Graphen oder fahre mit der Maus darüber, um Werte abzulesen.

Tippe auf einen Namen, um den Graphen ein- oder auszublenden.

Asymptote

Wertetabelle

x-100,11101000
log(x²)2-2026
2 log(x)n. def.-2026
(log x)²n. def.1019

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Aufgabe 1 von 18
Einfach

Welcher Term ist für x>0x > 0 gleich log⁡3(x5)\log_3(x^5)?

Warum es wichtig ist

Die Potenzregel macht Logarithmen erst richtig nützlich:
  • Exponentialgleichungen lösen: In 1,05t=21{,}05^t = 2 steht die Unbekannte im Exponenten. Logarithmieren und die Potenzregel liefern t⋅log⁡1,05=log⁡2t \cdot \log 1{,}05 = \log 2, der Exponent wird also zu einem normalen Faktor.
  • Riesige Zahlen: log⁡(264)=64log⁡2≈19,3\log(2^{64}) = 64 \log 2 \approx 19{,}3 verrät dir sofort, dass 2642^{64} 20 Stellen hat, ohne dass du die Zahl ausrechnest.
  • Skalen in den Naturwissenschaften: Dezibel, pH-Wert und Richterskala beruhen auf Logarithmen; die Potenzregel erklärt, warum sich die Dezibeländerung verdoppelt, wenn man das Intensitätsverhältnis quadriert.
  • Analysis: Bevor du ein kompliziertes Produkt von Potenzen ableitest, zerlegst du seinen Logarithmus mit der Potenzregel.
Sie ist das letzte der drei wichtigen Logarithmengesetze, und ab jetzt brauchst du alle drei zusammen in fast jeder Aufgabe mit Logarithmen.

Anwendungen im echten Leben

Lautstärke in Dezibel

Die Änderung des Schallpegels beträgt $\Delta L = 10 \log \frac{I_2}{I_1}$ Dezibel, wobei $\frac{I_2}{I_1}$ angibt, wievielmal größer die Intensität wird. Die Potenzregel macht aus Zehnerpotenzen eine einfache Multiplikation.

Beispiel:

Verdoppelst du deinen Abstand zum Lautsprecher, sinkt die Intensität auf ein Viertel (22=42^2 = 4), also ΔL=10log⁡(2−2)=−20log⁡2≈−6\Delta L = 10 \log(2^{-2}) = -20 \log 2 \approx -6 dB.

1Probiere es selbst

Du stehst 2 m von einem Lautsprecher entfernt und gehst auf 20 m zurück. Die Schallintensität nimmt mit dem Quadrat des Abstands ab, sie wird also durch (202)2\left(\frac{20}{2}\right)^2 geteilt. Der Pegel sinkt um 10log⁡((202)2)10 \log\left(\left(\frac{20}{2}\right)^2\right) Dezibel.

Um wie viele Dezibel sinkt der Schallpegel?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Berechne 10log⁡(102)10 \log(10^2):

Stellen riesiger Zahlen zählen

Eine natürliche Zahl $N$ hat $\lfloor \log N \rfloor + 1$ Stellen. Mit der Potenzregel zählst du die Stellen riesiger Potenzen, ohne sie auszurechnen.

Beispiel:

log⁡(210)=10log⁡2≈3,01\log(2^{10}) = 10 \log 2 \approx 3{,}01, also hat 210=10242^{10} = 1024 genau 3+1=43 + 1 = 4 Stellen.

2Probiere es selbst

Computer verwenden oft 6464-Bit-Zahlen, und 2642^{64} ist die Anzahl der verschiedenen Werte, die sie speichern können. Verwende log⁡2≈0,301\log 2 \approx 0{,}301.

Wie viele Stellen hat 2642^{64}?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Anzahl der Stellen: ⌊64log⁡2⌋+1\lfloor 64 \log 2 \rfloor + 1

Bevölkerungswachstum

Eine Bevölkerung, die jedes Jahr um einen festen Prozentsatz wächst, ist eine Exponentialfunktion der Zeit. Um herauszufinden, wann sie eine Zielgröße erreicht, holt die Potenzregel die Zeit aus dem Exponenten.

Beispiel:

Bei 10 % Wachstum pro Jahr verdoppelt sich eine Bevölkerung, wenn 1,1t=21{,}1^t = 2 ist: tlog⁡1,1=log⁡2t \log 1{,}1 = \log 2, also t=log⁡2log⁡1,1≈7,3t = \frac{\log 2}{\log 1{,}1} \approx 7{,}3 Jahre.

3Probiere es selbst

Eine Stadt hat 20000 Einwohner und wächst um 3 % pro Jahr. Nach tt Jahren hat sie 20000⋅1,03t20000 \cdot 1{,}03^t Einwohner.

Nach wie vielen vollen Jahren hat die Stadt mindestens 30000 Einwohner?

Schritt 1: Schreibe den mathematischen Ausdruck

Runde t=log⁡1,5log⁡1,03t = \frac{\log 1{,}5}{\log 1{,}03} auf ganze Jahre auf:

Wichtige Erkenntnisse

  • 1Potenzregel: log⁡b(Mp)=plog⁡bM\log_b(M^p) = p \log_b M für M>0M > 0 und jeden reellen Exponenten pp
  • 2Wurzeln sind Bruchpotenzen: log⁡bMn=1nlog⁡bM\log_b \sqrt[n]{M} = \frac{1}{n} \log_b M
  • 3Ein Kehrwert ist die Potenz −1-1: log⁡b1M=−log⁡bM\log_b \frac{1}{M} = -\log_b M
  • 4Zerlegen: zuerst Produkte und Quotienten aufteilen, dann jeden Exponenten nach vorne ziehen
  • 5Zusammenfassen: zuerst jeden Vorfaktor zum Exponenten machen, dann Summen zu Produkten und Differenzen zu Quotienten verbinden
  • 6(log⁡M)p(\log M)^p ist nicht plog⁡Mp \log M: Der Exponent muss im Logarithmus stehen

Häufig gestellte Fragen

Ein Logarithmus ist ein Exponent. Wenn log⁡bM=x\log_b M = x ist, dann gilt M=bxM = b^x und Mp=bpxM^p = b^{px}. Potenzieren mit pp multipliziert den Exponenten mit pp, also wird auch der Logarithmus (der Exponent) mit pp multipliziert.
Ein Logarithmus ist ein Exponent. Wenn log⁡bM=x\log_b M = x ist, dann gilt M=bxM = b^x und Mp=bpxM^p = b^{px}. Potenzieren mit pp multipliziert den Exponenten mit pp, also wird auch der Logarithmus (der Exponent) mit pp multipliziert.
Nein. Die Potenzregel gilt für jeden reellen Exponenten: negative (log⁡b1M2=−2log⁡bM\log_b \frac{1}{M^2} = -2 \log_b M), gebrochene (log⁡bM3=13log⁡bM\log_b \sqrt[3]{M} = \frac{1}{3} \log_b M) und sogar irrationale.
Nur für x>0x > 0. Die Funktion log⁡(x2)\log(x^2) ist auch für negative xx definiert (zum Beispiel log⁡((−10)2)=log⁡100=2\log((-10)^2) = \log 100 = 2), 2log⁡x2 \log x dagegen nicht. Für alle x≠0x \neq 0 lautet die genaue Aussage log⁡(x2)=2log⁡∣x∣\log(x^2) = 2 \log |x|. Der Graph oben zeigt beide Kurven.
Zerlege, wenn du einfache Bausteine brauchst, zum Beispiel um log⁡72\log 72 aus log⁡2\log 2 und log⁡3\log 3 näherungsweise zu bestimmen. Fasse zusammen, wenn du einen einzigen Logarithmus brauchst, etwa um eine Gleichung wie 2log⁡x−log⁡4=22 \log x - \log 4 = 2 zu lösen (siehe Logarithmusgleichungen lösen).

Glossar

Potenzregel
Das Logarithmengesetz log⁡b(Mp)=plog⁡bM\log_b(M^p) = p \log_b M
Exponent
Die Hochzahl, die angibt, wie oft die Basis als Faktor vorkommt, wie in MpM^p
Bruchpotenz
Eine Potenz mit einem Bruch als Exponent; M1/nM^{1/n} ist die nn-te Wurzel aus MM
Zerlegen
Einen Logarithmus als Summe und Differenz einfacherer Logarithmen schreiben
Zusammenfassen
Mehrere Logarithmen als einen einzigen Logarithmus schreiben
Vorfaktor
Eine Zahl, die einen Logarithmus multipliziert, wie die 33 in 3log⁡x3 \log x; die Potenzregel macht daraus einen Exponenten

Formelkarte

Potenzregel

log⁡b(Mp)=plog⁡bM\log_b(M^p) = p \log_b M

Der Exponent des Arguments wandert nach vorne

Wurzelregel

log⁡bMn=1nlog⁡bM\log_b \sqrt[n]{M} = \frac{1}{n} \log_b M

Weil $\sqrt[n]{M} = M^{1/n}$ ist

Kehrwert

log⁡b1M=−log⁡bM\log_b \frac{1}{M} = -\log_b M

Weil $\frac{1}{M} = M^{-1}$ ist

Produktregel

log⁡b(MN)=log⁡bM+log⁡bN\log_b(MN) = \log_b M + \log_b N

Zur Erinnerung: Produkte werden zu Summen

Quotientenregel

log⁡bMN=log⁡bM−log⁡bN\log_b \frac{M}{N} = \log_b M - \log_b N

Zur Erinnerung: Quotienten werden zu Differenzen

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